Sprechen Sie Englisch oder kommen Sie so wie ich aus Österreich?

A: Wenn ich es dir doch sage, alle fliegen jetzt dort hin!

B: Wohin???

A: Wo’s boomt … Das Land ist voll im Kommen!

B: Wo ist das genau? Hab schon oft davon gehört.

A: Ich auch! Sonne und Strand gibt es dort und super günstig soll es obendrauf noch sein!

A: Wo? In Afrika?

B: Nein, auf last minute!!


Jo sog amoi, bin i damisch woan?? Heast i versteh koa Wort .....

Ja, in Zeiten wie diesen, müssen wir stark sein! Das Englische klopft penetrant an unsere Türen und lässt uns nicht mehr locker machen...

Meetings, streamen, all inclusive, jo sapperlot und Herr Gott Seiten!

Fliegen die Amerikaner jetzt über uns her oder ist Wolfgang Ambros der neue Nostradamus der schon damals sang: Warum verstehst mi ned?

Ob er es prophetisch, literarisch oder doch sexuell meinte, wer weiß das schon?!? Aber mit Sicherheit weiß ich das: Das Englische bricht wie eine Flutwelle über uns herein, rette sich wer kann oder mach es wie der Österreicher ....


Alles was du über uns Österreicher wissen musst:

Gute Freunde, gute Rechnung, denn wär den Euro nicht ehrt, ist das Münzal nicht wert.

So wie wir unsere geheimen Sparbücherl schützen, so furchtlos gewähren wir auch unserer Sprache Schutz.

Bitteschön, Dankeschön, küss die Hand - wer könnte uns da schon wieder - Pardon - falsch verstehen?!?


Sprechen sie Englisch?

Wir haben Freud, Arnold Schwarzenegger und Hallstadt. Also wenn das an Vielseitigkeit und nicht reicht, dann weiß ich auch nicht mehr.... Wir Österreicher, „deutschen“ uns eben gern anders aus.

Wie das in der Praxis aussehen kann, zeige ich dir jetzt:


In irgendeiner Bank, irgendwo in Österreich ....

Äußerst irritiert, betrachtet der gepflegte Bankangestellte, der auf eine steile Karriere zurückblickt, in unsere staubigen Gesichter.

Gal schaut mich eindringlich an, ich ahne, was er jetzt denkt und er weiß, was in meinem Köpflein vor sich geht....Warum trägt er immer noch seine Schweißbrille auf dem Kopf? Wir mögen es hier doch gerne schick.

All meine Hoffnung, seit wir das Bauprojekt irgendwo in Österreich gestartet haben, drückt nun auf den polierten Schuh des ehrwürdigen Angestellten. Ich lehne mich zurück, denn das englische Ruder übernimmt jetzt er ...


Der Angestellte: „Also, nein das tut mir jetzt aber leid! Das geht beim besten Willen nicht! Wenn er was verstehen will, dann können sie übersetzen. Die Zeit nehme ich mir gerne.“


Wie „nett“ von ihm, denk ich mir, während mein angefressener Gesichtsausdruck, mein linkes Auge nervös zucken lässt. Auch Gals Miene verzieht sich zu einem finsteren Ausdruck aus Ungläubigkeit und ihm entkommt ein lauter Chuzpa (ein hebräischer Ausdruck des Fluchens).

Heute geht es nicht nur um Verständnis, sondern auch um viel Geld. Eine schreckliche Situation für den smarten Manager, der mit seinen drei Sprachen fließend, hier nicht weiter kommt.

Gemeinsam bauen wir eine Wohnung aus und stecken mitten in der Kernsanierung, wie auch die Müdigkeit in meinen Knochen.


Alles lastet auf meinen Schultern. So wie gestern, vorgestern, und vor vorgestern auch. Keiner redet Englisch mit uns. Warum auch, ich weiß schon. Bei uns redet man deutsch oder eben gar nicht. Ich übersetzte am laufenden Band Ausdrücke wie Windstopper, Dachfirst, tragende Wände, Zement, Estrich und verwendete noch viel mehr Wörter, die eine Dame nicht in den Mund nehmen sollte. So unemanzipiert bin ich heut! Mein genetisch angeborenes schlechtes Englisch bringt mich auf dem Bau noch um! Ich befürchte wir haben bald einen zweiten schiefen Turm von Pisa. Halt nicht in Pisa, sondern irgendwo in Österreich ....


Ich lausche dem manierlichen Angestellten, ignoriere mit aller Willenskraft Gals penetrantes Schnaufen und träum mich dahin, wo ich meiner Meinung nach dringend hingehöre. Auf die Südsee, wo ich im seicht-warmen Wasser plantsche und böse Ausdrücke wie Schalldämmung, Schleifen und Estrich keinen Zutritt haben.

Ich merk es, der Angestellte merkt es und Gal sagt es laut.

„Du verstehst kein Wort richtig? Es geht dir wie mit dem Hebräischen, ist es nicht so“? Mein Mann hat recht.

Da Gal die Planung und Finanzierung über hat, gestaltet sich unser Vorhaben hier in der städtischen Bank gerade schwierig.

Wenn ich nicht will, dass das Geldinstitut gerade das macht, was Geldinstitute eben so tun (Halsabschneider!), dann muss ich jetzt die weiße Fahne schwenken und diesen Wahnsinn, dem ich mit dem Google Translator nicht Herr werde, stoppen.

Genug!!,“ ruf ich voller Inbrunst in den sterilen Raum, wo wir in unseren Arbeitsklamotten wie Tageslöhner aussehen.

„Druck mir die Zettel aus!“, sage ich mit bebender Stimme, „wir gehen die Papiere heute Nacht zu Hause durch.“

Der Angestellte nickt zufrieden.

Ein Stapel Papiere wandert über den langen Glastisch. Die gelbweißen Zettel erreichen meine von Schleifpapier aufgerissenen Hände, die so wie der Rest meines Köpers von Bora Bora und wohlduftenden Lavendelseifen träumen.


Mein lauter Schrei reisst Gal unsanft aus seinem Südseetraum. Auch er schreit kurz auf.

„Sapperlot und Herr Gott Seiten. Die Papiere sind auf Deutsch!!! Ich brauche eine englische Ausgabe, wenn ich bitten darf“!?!?!?

„Das haben wir aber nicht! Hier reden wir deutsch, falls sie das noch nicht wissen“, raunt der Angestellte, ähnlich in Rage wie ich.

„Du bist die Raiffeisenbank und das ist ein Kredit! Willst du mir etwa weiß machen, dass es in ganz Österreich keine übersetzten Formulare gibt???“.

Er nickt aufgebracht.

Nicht eins???“, frage ich ungläubig weiter.

„Nicht einmal in Wien??“, meine Stimme überschlägt sich. „Aber das gibt‘s doch nicht! Wo sind wir denn hier“????

„IN Österreich! WO DENN SONST!“, plärrt mir der Angstellte quer über den aufgeräumten Tisch.

Ja, er sagt es, wo denn sonst .....

Ob unsere Raiffeisenbank und ihr Sumsi Club dem Slogan „international AG Company“ gerecht werden??? Diese Überlegung liebe LeserInnen, überlasse ich euch selber....

Mein Verhältnis zur Bank ist seit diesem Tage gespalten. Da hilft mir auch keine Honigbiene mehr.


Frustriert gehen wir an diesem Tag auf unsere Baustelle zurück und zahlen ab sofort, wie jeder andere auch, horrende Preise an unsere Internationalen Banken - die nur die eine Sprache sprechen...


Zieht sich hier ein roter Faden durch???


Vielseitig, weltoffen, smart, all das hört unsere rot-weiße Seele so gerne, wie „Dankeschön“ oder Gott sei Dank, ich dachte schon, Sie sind ein Deutscher?!?

Auch das vernehmen wir äußerst ungern und reagieren darauf gar nicht fromm.

Yesssss, jetzt hab ich dich ertappt, schon wieder...

Aber, das ist heute nicht das Thema, also Fokus meine Damen und Herren und Hand aufs Herz. Lass uns für einen Augenblick gemeinsam kritisch sein. Wir schaffen das!

Die Schweden tun es, die Holländer und ihre Nachbarn tun es auch. Selbst die Dänen halten munter mit. Sie alle reden in vielen Sprachen.

Europäischen Nationen sähen die Saat des internationalen Flair und fördern ihre „Wonneproppen“, indem Micky Mouse schon „how are you doing“, anstelle von, wie gehts dir sagt.

Ich bin kein Experte aber wenn ich mir das so anschau - unsere BildungsminsterIN halt leider auch nicht....


Synchronisieren Sie noch oder kultivieren sie schon?

Ich sag’s dir ganz ehrlich.

Auch ich lausche wie George Clooney mit synchronisierter Stimme das stumme H verschluckt, rede in Israel Englisch anstelle von Hebräisch und schreibe deutsche Einkaufslisten ...

Ja, auch mir geht unser schweres Erbe durch Mark und Bein!

Jeden Tag arbeite ich unermüdlich an meiner Mission – hantiere gut versteckt mit deutschen Brocken um meinen Arbeitskollegen, Freunden und Nachbarn mein kulturelles Erbe näher zu bringen. Glaub mir, das ist nicht immer leicht und... „mein yellow of the egg“, war erst der Anfang from a long yourney to go….


Englisch is everywhere

Meine amerikanische Freundin, die gleich nebenan wohnt, bekommt per Mail einen englischen Text von mir.

Kurz darauf läutet das Telefon:


Talya: „Was ist das?“, ruft sie neugierig in ihr Handy.

Ich: „Mein Flyer für den Yoga Unterricht, den ich auf Englisch anbiete“. Du sagtest, du korrigierst mir den Text durch.

Talya: „Das ist nicht englisch!!“.

Ich: „Natürlich, ist das Englisch!“.

Talya: „Wer sagt das?“

Ich: „Deep translate“.....und der wird‘s wohl wissen?!!?!

Ja, ein wahrer Österreicher gibt nicht auf...


„Liebes!“, schnauft sie liebevoll in den Höhrer ... An deinem Englischen Sprachverständnis müssen wir dringend arbeiten, du redest schlechter wie ein Inder ....

Politisch inkorrekt? Ja! Aber Talya darf das sagen:

Sie leitet ein Team in dem mehr als 70 Indische Staatsbürger als „care giver“ (Pfleghelfer) arbeiten.

... Also liebe Leser, immer ruhig mit den Pferden ....


Das Rezept einer guten Ehe

Das Geheimnis einer guten EHE? Das weiß ich nicht, ich bin ja kein Hellseher aber ich verrate dir mein“ Secret“, wodurch unser Leben um so viel harmonischer wird ...

Ganz oft versteh ich meinen Mann nicht. Im wahrsten Sinne des Wortes, ich mein das ernst!

Das macht unser Eheleben so viel einfacher.

Hier also mein Tipp:

Fluchen und schimpfen sie, wie ein Rohrspatz aber tun sie das ausschließlich in einer Sprache, bei der ihre bessere Hälfte weniger als die Hälfte versteht ... Das macht ihre Beziehung um vieles „oh mon a mour......“ oder" i love it" harmonischer...






Das Resümee

"Beim reden kommen die Leut zamm".


Ich bin mir sicher, dass wir nicht drei Fremdsprachen fließend sprechen müssen, um uns über die Grenzen hinaus zu verständigen. Ich bin das lebende Beispiel dafür. Oft reicht schon das Bemühen, dass auch wir uns aus der Komfortzone bewegen, was uns für unser Gegenüber im In und Ausland um so vieles sympathischer macht. Wäre es nicht an der Zeit, dass wir in Jahren der Globalisierung ein "bisschen" mehr für das Sprachverständis unserer bunten Welt tun? Gerade heute, wo sich die Welt eh nicht mehr versteht....

Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich glaube schon ...


The End


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