Sah Jesus wie ein Schweizer aus?


Nehme ich ihn wahr? Den Weihnachtszauber, jetzt, wo ich an der Quelle bin?

25 Grad, warmer Wind, hier und da ein kurzer Schauer.

Das Kaminfeuer brennt auf You Tube, während der Weihrauch gut verstaut im Koffer schon darauf wartet, im klirrend kalten Österreich vor sich hin zu schmelzen.

Vanillekipferl, heißer Glühwein und der Adventkranz weichen den öligen Oliven, während der Christbaum, anstatt gerodet zu werden, bei uns selbst gebastelt wird. Tannen gibt es hier - wenn überhaupt - so viele, wie es in Österreich Sand am Meer gibt. Es bleibt überschaubar.



Es ist sein Fest. Sein Geburtstag. Ich bin da, wo er auf die Welt kam. Manchmal kann ich das selbst kaum glauben. Der Heiland und ich haben Parallelen.


Bethlehem.

Die arabische Stadt liegt nur 10 km südlich von Jerusalem, hinter der aus Beton gegossenen Mauer. Dem war nicht immer so.

Wenn ich in der Hauptstadt bin, dann sehe ich sie immer von weitem. Der Checkpoint, der in das autonome Palästina führt, ist nur einen Katzensprung von mir entfernt. Wie mystisch und legendenumwoben seine Kinderwiege doch vor mir liegt.

Mir erleuchtet kein Stern, wenn ich in die Stadt hinüberblicke, dafür aber Straßenlaternen und Bremslichter der Pilgerreisebusse, die in kilometerlanger Schlange vor den „Toren“ zu Bethlehem auf ihren Einlass warten.

Zugegeben, bei den vollgestopften Straßen mit strombetriebenen Autos, der Hektik und dem Lärm, fällt es mir schwer, Esel, Hirten und die heiligen drei Heiligkeiten auf Kamelen um die Ecke kommen zu sehen ...


2,2 Milliarden Menschen glauben daran, dass der Heiland hier, im heutigen Nahen Osten, geboren ist. Die restlichen 6 Milliarden glauben das nicht. Sie glauben an jemand anderen bedeutenden Heiligen, der auch hier in der Stadt war. Die Top drei auf ewig vereint, in einer Stadt. Jesu, Allah und der Holy Moses. Ja, hier ist manchmal die Hölle - Pardon – der Himmel los!


Laut den Sagen gibt es hier ein sehr besonderes Phänomen Namens „Jerusalem Syndrom“. An keinem Ort/Platz in der Welt wird so viel gebetet, gehofft und geglaubt, wie hier.

Egal wie hart gesotten du dich glaubst, die Stadt zwang schon die Stärksten mit feuchten Augen in die Knie.


Mein Pass, der mit einer beidseitig israelischen Aufenthaltsgenehmigung markiert ist, macht es mir beinahe unmöglich, den legendärsten Stall der Welt (heutzutage Kirche), mit eigenen Augen zu sehen.

Hier ist man vor oder nach der Mauer. Beides scheint in diesen Tagen für Israelis und Palästinas unmöglich.


Jetzt musst du stark sein!

Von meiner Freundin bekam ich die Religionsunterlagen ihrer Volksschultochter, mit folgender Überschrift: „Jesus war kein Österreicher!“ Ein Schock für alle! Das muss man erst einmal verdauen, ich weiß, ich weiß. Aber schließlich können ja nicht alle namentlichen Größen wie Mozart, Alaba oder die Lugners aus unserer Ecke kommen. Das wäre nicht fair. Aber wie kann es sein, dass der charismatische Revoluzzer, aus dem Nahen Osten, immer wie einer von uns aussieht? Wirklich, ich muss schon sagen, das kann äußerst verwirrend sein!



Jesus kam ihm heutigen Palästina zur Welt. Eines der größten Autonomiegebiete unserer Erde. Kaum ein Fleckchen Land bietet mehr Zündstoff, wie dieser. Was wohl unser Jesus dazu sagen würde?

Ich vergesse die Tatsache gerne, dass das Einzelkind, welches wahrscheinlich keines war, mit seinen Eltern aus dem heutigen Nahen Osten stammt. Tut er aber. In Schlapfen durchwanderte er die dürre Wüste, in der ich im letzten Monat noch campen war.

Er fing Fische im See Galiläa, wo ich auf meiner Luftmatratze planschte und er lebte lange in der nördlichen arabischen Stadt Nazareth, wo ich mich am Stadtmarkt gerne mit gefüllten Reisblättern und Gummibärchen eindecke.


Allenfalls, ich weiß es nicht, liegt es an der bildlichen Darstellung des Messias vor 2000 Jahren, mit wallend blondem Haar, stechend blauen Augen und Skifahrer Waden, die Weizenfelder durchwanderten?? Hat sich hier womöglich ein visueller Irrtum eingeschlichen?

Viele Sagen, Geschichten und Thesen gibt es darüber. Gleich viele jedoch, widersprechen dem energisch.

Wie sah der Mann, geboren vor mehr als 2000 Jahren, im damaligen Judäa, aus?


a) Wie ein Schweizer Bergführer, mit gütigem Blick und Hang zum Extremen

b) Wie seine ehemaligen Landsleute, mit in der Sonne getunkter Haut, schwarzen Schneckerln und Arbeiterhände, wie ein Zimmermann


Diese Überlegung überlasse ich jedem selbst.


Aber spielt es denn wirklich eine Rolle, wie er aussah? Für mich nicht, für dich hoffentlich auch nicht, für die Bewegung "black lives matter" und andere Randgruppen wahrscheinlich aber schon.

Ich kann es ihnen nicht verübeln. Die Kirche hat sich sein Monopol gesichert, Jesus von Nazareth schaut aus, als sei er ein Schwede.

Nur zu verständlich also, dass seine Erscheinung nicht jedem frohlockt.


Dabei könnte es so einfach sein. Wäre ich Kirche - bin ich aber offensichtlich nicht - würde ich Jesus alle paar Jahre anders porträtieren. Warum auch nicht? Vielfältigkeit ist das neue „barmherzig“ und Missionieren das neue „tolerant“. Ohnehin war Jesus seiner Zeit voraus und mochte Dinge, die unmöglich schienen, dachte groß und nicht in verstaubten Schubladen.

Ja, so frech bin ich heute! Von mir aus könnte er sich auch gerne als Inuit, Japaner oder sogar als Michael Jackson, der auch ein Verwandlungskünstler war, versuchen.

Dem weltlichen Gruppengefühl würde es keinen Schaden tun.

An einem Bild hängen zu bleiben, schürt nichts Gutes, außer für die einen ...


Es ist keine Frage, Jesus hatte das gewisse Etwas!

Mann, Mann, der hatte wirklich was los.

Er legte seinen gut bürgerlichen Job nieder, pfiff auf alle Sicherheiten, um das eine Große zu tun.

Sein erster Schritt als besitzloser Pilger in eine ungewisse Zukunft war getan.

Typisch jüdisch, träumte Jesus von Nazareth von einer Weltkarriere.

Sein Weg führte ihn nach Jerusalem, in den salomonischen Tempel, inmitten der Altstadt, dem Heiligtum der Juden. Aber dort, bei den großen Rabbis, war der Prediger nicht gern gesehen und als echter Ungunstl bekannt.

So erzählen es die Schriften.

Er stieg den hohen Priestern auf die Füße und kritisierte sie mit strenger Stimme und erhobenem Zeigefinger.

Keiner aus der Upper east Jersulem Class schätzte sein Reichtums schmälerndes Vorhaben. Im Gegenteil, fand man es doch gar nicht prickelnd, dass der Mann aus den eigenen Reihen, an die vollgestopften Ersparnisse und Schatzkammern wollte.

Das Problem zieht sich bis heute durch. Mir scheint es, da konnte selbst Jesus nichts machen.

Eine ökologische Restlverwertung für die Armen und Bedürftigen, im unfairen Weltlichen-Klassensystem.


Nein, nein und noch mal nein!

Nie würde ich es wagen, derartiges zu behaupten!

Andere waren da schon mutiger. Ihre Thesen brachten mich zum Schmunzeln .... Ich mag die Idee, dass Jesus ein Mensch war und es hier im Nahen Osten schon damals menschelte.

Vielleicht, wer weiß das schon so genau, war er verheiratet, hatte eine Freundin und bewegte sich nicht ausschließlich im engsten Kreis seiner 12 Follower.

Wasser zu Wein machen und dann selbst ab und zu dran nippen, das wünsch ich mir für ihn. Denn, wer die Welt bewegen will, muss sich auch mal entspannen. Ein Vorbild in allen Belangen eben.


Ob es stimmt, dass er Sponsoren hatte und die gut betuchten Damen ihr Börserl nur allzu gern für ihn öffneten? Ich weiß es nicht und du auch nicht und es soll auch nichts zur Sache tun. Jeder Held hat schließlich sein Recht auf ein bisschen privates.

Was ich aber mit Sicherheit weiß, ist folgendes: Ich kann mir nicht helfen, aber ich habe eine Schwäche für aufmüpfige Revoluzzer, die die Welt zu einer besseren machen wollen. Wäre ich damals schon am "hotspot" gewesen, hätte wahrscheinlich auch ich mein Sparschwein rausgeholt und ihm eine Münze geschenkt.


Zu dritt sitzen wir an unserem Tisch.

Mein jüdischer Mann, unser moslemischer Freund und ich, die sich auf Weihnachten freut.

Religion ist für uns heruntergebrechen auf einen gemeinsamen Nenner. Unser Glauben "light" ist mit leichten Abweichungen derselbe. Wir sind alle gleich.

Gal spaziert in Jerusalem down town, gerade aus zur Klagemauer, Mahmud nach links zum Felsendom und ich schlendere hinüber zur Grabeskirche. Anschließend trinken wir in Gottes Namen gemeinsam Kaffee, essen Falafel und keiner hat recht.



Ob Jesus die Motivation hatte, eine weitere Weltregion zu erschaffen, werde ich gefragt, während wir an unseren Tassen nippen? „Ich weiß nicht, vermutlich nicht!“, antworte ich schulterzuckend. Aber was macht das schon. Es soll doch jeder glauben was er will, solange wir drei hier sitzen, versetzt mein Glaube, an eine gemeinsame Welt, Berge.

Und ich glaube, den beiden hier am Tisch, geht es genauso .... Long long Time ago, so the holy bibel says.....


In diesem Sinne:

Es ist Zeit für Liebe und warme Gefühle, nur draußen bleibt es richtig kühl. Kerzenschein und Apfelduft, ja, es liegt Weihnachten in der Luft.


Euch allen ein wunderbares Fest, passt gut auf euch auf, merry x-Mas und bis bald im nächsten Jahr!




Ballagan Blog- zurück am 09.01.2022 mit neuen schnittigen Geschichten! #storytellingblog


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