I'am a dreamer but i'm not the only one! Träumst du mit?


Israel- Austria


Will Weltmeere überqueren, Gipfel erstürmen, Wale sehen, vom Eiffelturm spucken, küssen wie ein Eskimo, die Pyramiden fotografieren, Vodka in der Tundra trinken, auf Hawaii den Hulahula tanzen, Nordlichter schauen, Kamele reiten, wellen Tanzen,...

Ja.

All das hätte ich gerne geantwortet. Tat es dann aber doch nicht.

I’m a Dreamer but I am not the only one….

Und er sollte recht behalten. Denn, ich träumte mit ihm ...


„Nein, das tut mir leid. Sie müssen mir schon alle Papiere aushändigen, sonst .... Wo kämen wir denn da hin?“, antwortet der Bürohengst hinter seinem Schreibtisch.

„An einen Ort, wo Stempel und geduldiges Papier uns in Ruhe lassen!“, hätt ich gern gesagt, tat es dann aber doch auch nicht.

Ich ahne Schlimmes. Verzweifelt greife ich mir an die Stirn. Das gibt neue Falten, ich weiß es jetzt schon.


Zum zweiten Mal stehen Gal, ich und ein Stapel voller Akten vor der Türe der Einwanderungsbehörde und warten auf Einlass.

Werden wir dieses Mal ihren Anforderungen gerecht?

Ist jeder Stempel bezahlt, jede Prüfung absolviert, jedes Formular ausgedruckt, gescannt und beschmiert???

Wird mein Staat, meinen Mann für würdig erklären und ist der „ der von da unten kommt“ bereit für das aufstrebende Europa?

Warum all das, fragst du dich?

Für ein gemeinsam Leben.

Denn, was Gott zusammengeführt hat, kann das „Papier“ ganz leicht trennen.


Imagine there’s no hell below us, upper just the sky…


Die Hölle hat viele Gesichter, hätte ich jetzt gern zu John Lennon gesagt. Unsere spiegelt sich in Form von Dokumenten wider. Berge stapeln sich zuhause, werden von links nach rechts katapultiert. Manchmal ertrinken wir in der Dichte der gedruckten Buchstaben und müssen uns gegenseitig vor den Kuriositäten der höheren Distanzen retten.


"Das Land schützt seine Grenzen, während der Irrsinn der Bürokratie, keine Grenzen mehr kennt“.


Waren wir naiv? JA!

Ist die Welt heute komplizierter, als ich das anfangs wahr haben wollte? Ganz sicher!


„Die gute alte Zeit“ , frage ich mich da, wo ist sie nur hin?


Vor 400.000 Jahren. Damals war die Welt noch Ordnung.

Da schweiften die ahnungslosen Neandertaler in den Wäldern umher, schützten keine Außengrenzen, kommunizierten nur das nötigste und kehrten von der Jagt mit einem erlegten Hirsch anstatt mit einem Stapel Papiere zurück. Sie brauchten nicht mehr als diese Dinge zum Überleben: „Wasser, Nahrung und Feuer.


Und wie verhalten wir uns heute, um unser existentielles Leben zu sichern?


Länderübergreifende Ehen ungefähr so:

Gal legt sich auf die Lauer. Als Rudelführer jagt er unermüdlich Dokumenten hinterher, die an ihrer Rarheit kaum zu übertreffen sind und sichert somit unser Überleben.

Später, wenn er am frühen Nachmittag von der Pirsch nach Hause kehrt, sammle ich den eroberten Schatz im Schnellhefter ein und schütze wie der Hobbit seinen glänzenden Ring. Unser Dasein ist für das nächste Monat gesichert. Denn, für ein Leben außerhalb der menschgemachten Grenzen, braucht man außer Wasser, Nahrung und Feuer auch noch das: Stempel, viel Geld für die Stempel und noch mehr Stempel.


Das Jagdverhalten 2021 und was auf keinen Fall fehlen darf, wenn man seinen Ehemann in Österreich immigriert“:


„Wohin?“

„Nach Jerusalem down town!!“, schreit Gal aufgebracht ins Telefon.

„Den gültigen Apostille Stempel gibt es nur dort! Macht schnell, Österreich braucht das Papier sonst...“

„Red‘ nicht weiter Sohn, wir sind schon unterwegs!“

Hastig springen meine Schwiegereltern ins Auto und fahren los. Sie wissen um die Notwendigkeit und Dringlichkeit dessen (was Gott zusammengeführt hat, kann das Papier ganz leicht trennen).

Mit Baldrian Tropfen im Handgepäck fahren die zwei „Kibbutznix“ quer durch Jerusalem.

Der tosende Verkehr der Stadt, ist der Vorbote für die Hölle was sich „Amt“nennt.

Faxgeräte, die im Land des hi tech’s längst ausgedient haben, zieren die Brutstätten des Bösen und warten hungrig auf Nahrung, die nie kommt.


Warum nicht, fragst du dich?!?!

Darum:

Seit mehr als 20 Jahren existieren keine Faxgeräte mehr in den privaten Haushalten. Ein weiterer gewiefter „Schwachzug“, um die armen Seelen in die Irre zu führen.

Aber nicht mit uns, wir sind alte Hasen und schon zu lange im Geschäft. Wir lassen uns schon längst nicht mehr von nostalgischen Geräten und Sätzen, wie, „wenn sie uns kein Fax senden, dann können wir ihren Fall nicht bearbeiten“, vom rechten Weg ableiten.


„Strafregister Auszug, jetzt! Mit Stempel und Datum. Ohne den gehen wir nicht!“ Bestimmt positioniert sich mein Schwiegertiger am Gott verlassenen Schalter und weicht keinen Schritt.

Das Tauschgeschäft erreicht seinen Höhepunkt als weitere 85 Euro in den Rachen der „Institution“ wandern und zwei prüfende Augenbrauen das lebensbejahende Dokument unter die Lupe nehmen.

„Stopp!“, schreit Gals Vater plötzlich. „Hier! Der Nachnahme ist falsch geschrieben! Dieses Dokument ist ungültig!“

Das Papier, nur eines von vielen, welches wir so dringend benötigen, um weiterhin nicht nur gemeinsam Netflix schauen zu können, wird jammernd korrigiert.

Ja, manchmal macht selbst der Teufel Fehler.


Erkenntnis einer Auswanderin: Der goldene Schlüssel weicht dem dünnen Papier.


2.470,32 km Luftlinie weiter in Österreich:

„Sind jetzt alle Papiere komplett?“

Da wage ich es tatsächlich einen Israeli ins Land zu schlampen. Mein Berufsschullehrer sollte recht behalten, nichts als Ärger mit der!

Während EU-Bürger und Schweizer sich bei der Fremdenpolizei auf der linken Seite des Flures einreihen, stehen mein Drittland Bürger und ich in der rechten Warteschlange. Das Ungleichgewicht hat ein Türschild.

Nervös halten wir unsere schwitzenden Händchen.

Harte Monate liegen hinter uns. Haben wir alles, was wir brauchen?? Sind jetzt alle Papiere hier? Und was, wenn nicht??

Ja, auch wir klopften an die Rot-weiß- rote Türe und baten um Einlass.


Image there’s no countries. It isn’t hard to do….


Aber weil es sie nun mal gibt, leben wir in zwei Ländern anstatt nur in einem. Und da wir in beiden zuhause sind, klopfen wir auch an die nächste Türe.

Einwanderungsbehörde Israel:


Beer Sheva- Negev Wüste


Der Teufel gibt sich sportlich, trägt Turnschuhe anstatt Prada.

Getrennt voneinander werden wir in verschiedenen Büros interviewt.

Mehr als 60 Min. stehen wir Rede und Antwort.

„Was hatte ihr Mann gestern morgen zum Frühstück?“

„Wie heißt das Haustier der jüngeren Tante?“

„Auf welcher Bettseite schlafen Sie?“

„Links. Nein rechts. Entschuldig ... verdammt!“

Strafende Blicke und ein hektisches Eintippen auf die Computer Tastatur kosten mich weitere 60 min. Schweißtreibende Lebenszeit.

Fotos, Briefe, Whats App Nachrichten, Dokumente, alles wird offengelegt. An diesem Schreibtisch gibt es keine Geheimnisse. Unsere Ehe ist transparent.


Imagine all the people sharing all the world. You may say I am a dreamer, but I am not the only one….


Ich schicke ein Stoßgebet gen Himmel!

Nach vielen Wochen des Wartens, Fluchens und getrennt seins, halten wir nun mein israelisches Aufenthaltszertifikat in den Händen.

Doch der nächste Termin bei der Einwanderungsbehörde lässt nicht lange auf sich warten und steht Ende November diesen Jahres wieder an.

Für Österreich hat Gal seinen Status leider wieder verloren.


Aber das macht nichts. Irgendwann werden wir wieder einen Antrag stellen - dann, wenn uns weitere Projekte nach Österreich treiben und unsere Buntheit nicht mehr so schwarz gesehen wird.


Zwei Kontinente - Zwei Länder - drei Pässe - eine Ehe!

Ist der Bürokratische Dschungel immer einfach?

Gott bewahre, nein! Aber wir machen trotzdem weiter.


Wo wir zuhause sind? Überall! Denn in unserer Brust schlagen viele Nationen.

Papiere hin oder her....



„Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nie angeschaut haben“ (Alexander von Humboldt)








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