Einmal Goa und zurück Teil 2

Vortsetzung


Ist er gekommen um zu bleiben?

Jetzt wo ich geh?

Er kann nicht wegen mir hier sein! Warum sollte er....


Lilkaman serviert heißen Chai.

Väterlich klopft er mir auf die Schulter, bevor er sich wieder auf den Weg in die Küche macht, wo Jodoo und seine Frau neugierig druch den Türspalt spähen.


„Ich war auf dem falschen Schiff ... .ich musste .....“ sagt Gal mit leiser Stimme, die das lange Schweigen unterbricht.


"Zurück zu mir???" denk ich mir aufgebracht, aber wie ist das denn möglich?!?

Soll ich was sagen? Was soll ich sagen?

Mir wird schlecht.

Drei Mal haben wir miteinander gesprochen, zweimal haben sich unsere Hände berührt. Einmal versehentlich. Zählt das?

„Umbuchen.“, beendet Gal den angefangen Satz.

Umbuchen?" Okay, das war jetzt sehr pragmatisch...

Verwirrt schaue ich zu Andy, der aufmerksam an seinem Chai rührt.

Naja, denk ich mir, er muss ja nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen.

Erst die Fakten und dann Mon Amour...

„Am winzig kleinen Flughafen von Port Blair, fährt er fort, war für andamanische Verhältnisse die Hölle los.

Mehr und mehr einheimische Touristen und Backpackers strömen auf die Inseln.

Ein Angestellter wollte nicht glauben, dass ich meinen Flug nach Goa so kurz vor kapp, als das Boarding schon am Laufen war, noch umbuchen wollte" ...


Jetzt kommts. Ich weiss es!

Aber was will so ein toller Mann von mir?

Er könnte es besser haben, aber das weiß er nicht. ..


Erzähl weiter, was hat er gesagt?!“ platzt es aus mir heraus während ich aufgeregt auf meinem Stuhl herum rutsche.


„Birgit“, zischt Andy mahnend dawischen als sein streng aufgesetzter Blick mich sucht.

„Sorry!“gebe ich verlegen zurück.


Gal atmet kräftig durch, stößt einen tiefen Seufzer hervor und setzt erneut an.


Der Airbus zischte mit Karacho übers Rollfeld, als mir der Mitarbeiter die neuen Tickets übergab und der Vogel ohne mich abhob.

Seine Hände zeigen in den Himmel, als mein Blick ihnen fieberhaft folgt.


Und hier bin ich wieder.“


„Ja, hier bist du wieder!“


Meine Augen funkeln und sprühen wie Sternspritzer in der Silvesternacht, als ich konzentriert versuche zu verstehen, was er mir sagen will.


„Die Nachtfähre nach Neil Island“, fährt Gal fort, „war schon ausgelaufen. Knapp muss ich sie verpasst haben, da ich das Boot weit draußen am Meer noch sah.

Ich blieb eine Nacht auf der Hauptinsel, um heute morgen gleich mit dem ersten auslaufenden Schiff auf Neil übersetzen zu können...

Ich schlief am Hafen, draußen bei den Booten.“


Erst kommt er10 Jahre zu spät um jetzt dieses Affen Tempo an den Tag zu legen?!

Ich glaub, ich bin verliebt.


„Und hier bin ich.“


Ja, hier ist er....


Andy verzieht ungläubig sein rundes Gesicht. Auch ich schlucke nervös und ringe um Haltung.

Wenn ich mich recht entsinne ist mein Name noch kein einziges Mal gefallen.

Schon sehr sachlich geht es hier von statten. Nachdenklich studiere ich seine Gestik... Nicht lesbar. Ähnlich wie das hebräisches Alphabet.

Ja,... ich habe meine Hausaufgaben gemacht...


Die Zeit rennt, jeden Augenblick werde ich abgeholt.

Was mache ich jetzt???

Der Mann, der bei den Booten schläft, ist wieder da und ich?

Ich mache mich aus dem Staub.

Aber bleiben kann ich eben auch nicht, ...auf keinen Fall!


Ja,bilde dir bloß nichts ein "Liebchen"!Denke ich mir erregt.

Er mag Neil.

Das wars. Der arme ist aus Israel, bevor er sich in dich verliebt, verdreht ihm der nächste Komposthaufen den Kopf. Hauptsache Leben!

Indien muss im Gegensatz zu seiner Heimat fruchtbarer wie jedes Kanickel sein.

Aus der Wüste kommt er. Wie furchtbar .....


Nichts da!

Es kann nicht an mir liegen.

Ich als gefühltes Viereck, pass nicht in die Runde Welt,...., das sieht er doch .... Das weiß er doch .....



Juuuuuhhhhhhh.


Trula!

Bevor ich reagieren kann, eilt ein Pfitschi Pfeil im knallgelben Badeanzug um die Ecke, setzt sich neben mich und reißt mich unsanft aus meinen Gedanken.


Andys Augen strahlen auf wie die Scheinwerfer eines frisch polierten Mercedes in der Waschanlage.

Ich grinse. So hippelig wie jetzt habe meinen Freund noch nie gesehen.

Aufgeregt zupft er an seinem zerknitterten T-Shirt, als er sein erquicktes Lächeln aufsetzt und elegant seine Beine überschlägt.

Ungewollt entkommt mir ein weiterer Schmunzler. Aber nur kurz, denn meine Mundwinkel ergeben sich rasch der Schwerkraft und ziehen nach unten.


Augenbrauen, die der Schwerkraft trotzen, tiefe Blicke und knisternde Energie, all das haben wir – NICHT.

Gals und mein Flirtangriff (light) versickert wie ein Wassertropfen in der dürren Sahara. Nichts ist mehr davon zu sehen...


Trula & Andy, schöpfen weiter aus den vollen, spriesen wie Knospen im Frühling aus dem Schnee, umgarnen sich aufgeweckt, während uns wie Herbstblätter im kalten November der Saft ausgeht.

Kann es noch schlimmer werden? Ja, kann es...


„Birgit!“, ruft Lilkaman, als er winkend auf mich zu läuft.

Ich habe noch ein Bierchen für dich organisiert bevor du abreist.“


„Abreist?“, wiederholt Gal. Wie endgültig es aus seinem Mund doch klingt ...


Ich höre nichts außer meinem Atem. Und Trula's Atem, den höre ich auch...

Sein Blick wandert zu meiner Hütte, dort drüben wo mein Rucksack steht.


Mein Blick geht zu Boden.

Ich ringe um Worte, die ich nicht finden kann.

„Wann reist du ab?“, fragt er, als er nachdenklich auf mein Gepäck schielt.


„In wenigen Minuten!“, antworte ich knapp als sich auf meiner Stirn Tropfen bilden. Meine Rikscha müsste bald da sein.

Wo hin reist du?“, fragt er zügig, aber sachlich weiter.


„Ich dachte, du bist auf Goa, weißt du?“ und... ich...


„Ja, ich weiß. wohin reist du ?“, fragt er nun mit Nachdruck ein weiteres Mal.

„Havelock“, die Nachbarinsel... antworte ich stockend, von seinem Interesse durchaus überrascht.

Er lässt mich nicht aus den Augen, denkt nach, Ich denke nicht nach, und warte ab, was er sagt.


„Vielleicht bringe ich ein zweites Glas“, sagt Lilkaman plötzlich, nachdem er einen tiefen Zug von seiner Zigarette nimmt. „Ich glaube dein Freund braucht einen Drink.“


„Havelock also“, ergänzt Gal. Und was hast du dort vor?

Unbeholfen zucke ich mit den Schultern.

„Tanzen, schnorcherln, am Lagerfeuer sitzen, all sowas.“



Er nickt stumm.

Danach“, fahr ich tapsig fort, „will ich auf die little Andamans reisen um surfen zu lernen.“ Einer meiner heurigen big five weißt du ...

„ Big five und surfen ?“, erkundigt er sich strinrunzelnd?

„Jaaaa... genau ... warum??“. War das eine Anspielung auf mein unsportliches Buddha-Bäuchlein? Mit dem Schwimmreifen kann ich wenigsten nicht unter gehen!

Haaaaallloooooo?? Wie redet der eigentlich mit seiner zukünftigen Frau?!?!


„Kannst du denn surfen?“, frage ich herausfordernd weiter obwohl ich die Antwort zu kennen glaub.

So wie der aussieht! Ja, ich sehe ihn vor mir. Im Surfer style am Strand wie er aus dem kühlen Wasser steigt und....

Er ist ein Wellen Jäger, ich weiß es.

Ich bin ein Eierschwammerl Jäger, das weiß er aber nicht.


„Nein, noch nicht.“, antwortet er verlegen als sein Blick schüchtern zu Boden geht..

NOCH NICHT, hat er gesagt? Habe ich gerade recht gehört?

Ich wittere meine Chance ...

„Willst du mit mir kommen?“, platzt es unüberlegt aus mir heraus. Weniger Euphorie Birgit, weniger Euphorie.


„ Willst du denn das ich dich begleite?“


Schweigen.


Normalerweise werden knifflige Aussagen wie diese gekonnt überhört. Vor allem wenn sie von mir kommen.

Kritisch lese ich in seinem maskulinen Gesicht.

Was passiert hier gerade?

Habe ich einen wild fremden eingeladen, mich auf meinem Selbstfindungstrip zu begleiten, wo Männertabu sind?!?

Und hat er ja gesagt??


Der Schöne und ich beim surfen? Maria Mutter Gottes, steh‘ mir bei!


„Ich würde dich gerne begleiten!“, sagt er leise als ich bemerke, wie sich seine Wangenrot färben.

Auch mir steigt Farbe ins Gesicht. Nein!! Nicht jetzt. ...


„Auf Havelock kann ich nicht mitkommen, die Fähren sind ausgebucht!“, sagt er rasch. „Hast du schon ein Ticket?"


Ich nicke stumm.


„Holst du mich nach dem Tanzen hier ab ?“, erkundigt er sich kess und verlegen zu gleich.

Abholen? Also wirklich...

Wortlos schüttle ich den Kopf.


„Wann geht dein Boot?“, fragt er aufgeregt weiter?

„Um 16.00 Uhr. Warum?“ jetzt habe ich den Faden verloren... Reist er nun mit mir?

„Gut, dann haben wir genug Zeit. Mach dir keine Sorgen, wir finden eine Lösung.“


Sorgen? Welche Sorgen?

Ich war so in meine Zukunftspläne vertieft (wann und wo wird geheiratet und was ziehe ich an), dass die Flirtflaute von Trula und Andy wie ein laues Sommerlüftchen an mir unbemerkt vorbei zog.

Die Stimmung zwischen den Beiden ist rapide gekippt, als Andy sie auf ihr Alter anspricht.

Sie, die lebensfrohe Kanadierin, fühlt sich jung, schön und agil wie eine 16-Jährige. Bis ER kam.

Andy erklärt nüchtern, dass sie als Mutter eines 20-jährigen Kerlchens, die Sommerzeit schon längst hinter sich hat. Das haut die lebensfrohe Trula beinahe aus den Bade Latschen. Und mich auch.


Gal grinst..

Ein scharfer Blick meinerseits, lässt den coolen Israeli aber sofort wissen, dass auch er nicht die geringste Ahnung hat, wie man das Herz der Angebeteten im stürmischen Insel dasein erobert.

Er weiß meine Gestik zu deuten, zügelt sein freches Lächeln und wird erneut ein bisschen rot.

„Deine Rikscha ist hier“, ruft Lilkaman hektisch vom Gemüse Garten herrüber ... Mach schnell Birgit, die Boote warten nicht ....


Gal stellt meinen Rucksack in das kleine Moped Taxi, während ich Andy fest an mich drücke. „Na jetzt aber los, die Fähre wartet nicht“, ruft Lilkaman hektisch und deutet dabei auf seine Uhr.


„Gal, komm wir müssen los, ich bin spät dran“, sage ich mit einem eigenartigen Gefühl von Wehmut und Vorfreude zu gleich, als ich zögernd in die Rikscha steige.


„Fahr du vor Birgit“, flüstert er mir leise zu. „Ich gehe noch eine Runde schwimmen und komm dann mit dem Fahrrad zum Hafen. Dein Boot geht um 16.00 Uhr richtig?“


Schwimmen?

Hat er gerade schwimmen gesagt?


„Ja“, antworte ich verwirrt. „Gut. Löse dein Ticket, ich werde um 15.00 Uhr bei dir am Hafen sein. Versprochen!“

„Du gehst schwimmen? „Aber warum? Komm doch gleich mit mir?!“


„Ich bin völlig verschwitzt und springe nochmal schnell ins Meer. Auf dem Weg zum Hafen, stoppe ich an meinem Guesthouse und zieh mir ein frisches Shirt über. Ich werde um 15.00 Uhr dort sein Birgit! Bis später“, ruft er nochmals als sich der fahrbare Untersatz mit mir - und zwar nur mit mir - in Richtung Hafen in Bewegung setzt...









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